… mehr als eine Sammlung von Dokumenten
Im regulatorischen Meldewesen mangelt es grundsätzlich nicht an Informationen.
Verordnungen, technische Standards, Guidelines, Handbücher, Datenmodelle, Codelisten, Validierungsregeln, FAQs und weitere Veröffentlichungen beschreiben Anforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlicher Verbindlichkeit.
Mit jeder neuen Anforderung und jeder neuen Version wächst dieser Informationsbestand weiter.
Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, regulatorische Informationen verfügbar zu haben. Entscheidend ist, ihre fachliche Bedeutung und ihre Zusammenhänge zu verstehen.
Denn regulatorisches Wissen ist mehr als eine Sammlung von Dokumenten.
Dokumente transportieren Wissen
Dokumente sind zunächst Informationsträger.
In ihnen finden sich Definitionen, Anforderungen, Regeln, Datenbeschreibungen, zulässige Ausprägungen und fachliche Erläuterungen. Häufig verteilen sich die Informationen zu einem Sachverhalt über mehrere Quellen.
Eine Definition kann beispielsweise in einer regulatorischen Vorgabe enthalten sein, während ihre technische Konkretisierung an anderer Stelle erfolgt. Zulässige Werte können wiederum über eine Codeliste bestimmt werden und zusätzliche Prüfregeln weitere Bedingungen formulieren.
Für die fachliche Beurteilung eines Sachverhalts reicht es deshalb häufig nicht aus, eine einzelne Fundstelle zu kennen.
Relevant ist der Zusammenhang.
Regulatorisches Wissen entsteht im Zusammenhang
Eine regulatorische Information erhält ihre Bedeutung nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihren Kontext.
Für welchen Meldebereich gilt eine Definition? Welche Daten werden davon berührt? Welche Regeln beziehen sich darauf? Welche anderen Anforderungen stehen damit in Beziehung?
Aus isolierten Fundstellen entsteht ein fachliches Gefüge aus Begriffen, Daten, Regeln und Beziehungen. Gerade diese Zusammenhänge sind häufig entscheidend, wenn regulatorische Anforderungen interpretiert, Auswirkungen analysiert oder unterschiedliche Vorgaben miteinander verglichen werden sollen.
Entscheidend ist nicht nur, ob eine regulatorische Information gefunden werden kann, sondern ob ihr fachlicher Zusammenhang erhalten bleibt.
Wissen hat einen zeitlichen Kontext
Hinzu kommt eine weitere Dimension: Wissen verändert sich.
Definitionen werden präzisiert, Anforderungen angepasst, Datenmodelle weiterentwickelt, Codelisten geändert und Prüfregeln ergänzt oder ersetzt.
Eine fachliche Aussage kann deshalb zu einem bestimmten Zeitpunkt richtig sein und für einen späteren Berichtszeitraum dennoch nicht mehr gelten.
Version und Gültigkeit sind damit keine bloßen Verwaltungsinformationen. Sie gehören zum fachlichen Kontext einer regulatorischen Aussage.
Ähnliches gilt für ihre Herkunft. Wer regulatorische Informationen beurteilen oder weiterverwenden möchte, muss nachvollziehen können, worauf eine Aussage beruht. Eine belastbare Information benötigt deshalb nicht nur Inhalt, sondern auch einen nachvollziehbaren Bezug zu ihrer Quelle.
Struktur verändert die Nutzbarkeit
Solange regulatorische Informationen überwiegend anhand einzelner Dokumente erschlossen werden, stehen das Lesen, Suchen und Interpretieren dieser Dokumente im Vordergrund.
Eine strukturiertere Betrachtung eröffnet zusätzliche Möglichkeiten:
Begriffe können mit Anforderungen in Beziehung gesetzt, Regeln den betroffenen Daten zugeordnet und unterschiedliche Versionen eines Sachverhalts miteinander verglichen werden. Zusammenhänge können sichtbar werden, die über einzelne Dokumentgrenzen hinausreichen.
Damit verändert sich auch die Art der Fragen, die an regulatorische Informationsbestände gestellt werden können.
Nicht mehr nur:
Wo ist dieser Sachverhalt beschrieben?
Sondern beispielsweise auch:
Welche Anforderungen, Daten und Regeln stehen mit diesem Sachverhalt in Zusammenhang – und was hat sich gegenüber einem früheren Stand verändert?
Der Unterschied erscheint zunächst klein. Tatsächlich beschreibt er jedoch zwei unterschiedliche Formen im Umgang mit regulatorischer Information: das Auffinden einer Definition und darüber hinaus das Erschließen eines fachlichen Zusammenhangs.
Eine Grundlage für Regulatory Intelligence
Diese Unterscheidung gewinnt mit neuen Analyseverfahren und generativer AI zusätzlich an Bedeutung.
AI kann den Zugang zu umfangreichen Informationsbeständen grundsätzlich und auf den ersten Blick erheblich erleichtern. Dokumente können durchsucht, Inhalte zusammengefasst und Fragestellungen in natürlicher Sprache bearbeitet werden.
Damit verschwindet jedoch keineswegs die Notwendigkeit, regulatorische Inhalte fachlich einzuordnen.
Je anspruchsvoller eine Fragestellung wird, desto wichtiger wird die Frage, wie weit Begriffe eindeutig verwendet werden, welche Version einer Anforderung betrachtet wird, wie unterschiedliche Informationen miteinander zusammenhängen und auf welchen Quellen eine Aussage beruht.
Strukturierte regulatorische Daten, Regeln und Wissen schaffen dafür eine Grundlage.
Sie machen regulatorisches Wissen nicht nur leichter auffindbar, sondern zunehmend analysierbar und in seinen Zusammenhängen nutzbar.
Gute Antworten beginnen bei der Struktur des Wissens, auf das die Analyse zugreift.


