Datenqualität im regulatorischen Meldewesen

Wenn die Meldung nur der Anfang ist

Die fristgerechte und technisch erfolgreiche Übermittlung einer Meldung ist ein wichtiger Meilenstein. Sie bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass der Meldeprozess fachlich abgeschlossen ist.

Datenqualität zeigt sich häufig erst im Zusammenspiel verschiedener Prüfungen und Perspektiven. Validierungen, Plausibilitätsprüfungen und Rückmeldungen der Aufsicht können Auffälligkeiten sichtbar machen, die bei der eigentlichen Erstellung der Meldung nicht unmittelbar erkennbar waren.

AnaCredit ist dafür ein gutes Beispiel.

Granularität verändert die Perspektive auf Datenqualität

Mit AnaCredit werden Kreditinformationen in feiner Granularität erhoben. Einzelne Instrumente und Vertragspartner werden durch eine Vielzahl fachlicher Merkmale beschrieben. Zwischen diesen Merkmalen bestehen wiederum fachliche Abhängigkeiten und Konsistenzanforderungen.

Damit verändert sich auch die Betrachtung der Datenqualität.

Ein einzelner Datenwert kann für sich genommen formal korrekt sein und dennoch im Zusammenhang mit anderen Informationen eine Auffälligkeit erzeugen. Datenqualität ist deshalb nicht ausschließlich eine Eigenschaft einzelner Datenpunkte. Sie zeigt sich auch in den Beziehungen zwischen Daten und in ihrer fachlichen Konsistenz.

Eine Auffälligkeit kann entsprechend unterschiedliche Ursachen haben. Sie kann auf einen fehlerhaften Ausgangswert zurückgehen, auf eine Transformation im Meldeprozess, auf eine fachliche Interpretation oder auf Zusammenhänge zwischen Merkmalen, die erst durch eine übergreifende Betrachtung sichtbar werden.

Rückmeldungen sind nicht einfach Fehlerlisten

Aufsichtliche Rückmeldungen werden leicht als Liste noch zu korrigierender Fehler verstanden. Diese Betrachtung greift zu kurz.

Nicht jede Auffälligkeit bedeutet automatisch, dass ein gemeldeter Wert falsch ist. Umgekehrt bedeutet eine formal gültige Meldung nicht, dass ihre Inhalte in jedem fachlichen Zusammenhang plausibel sind.

Der erste Schritt im Umgang mit einer Rückmeldung ist deshalb ihre fachliche Einordnung:

Was genau wird geprüft – und weshalb erscheint der gemeldete Sachverhalt aus dieser Perspektive auffällig?

Diese Unterscheidung ist wesentlich. Denn erst wenn die Aussage einer Prüfung verstanden ist, lässt sich beurteilen, ob tatsächlich eine Korrektur erforderlich ist oder ob ein gemeldeter Sachverhalt fachlich nachvollziehbar und erklärbar ist.

Von der Auffälligkeit zur Ursache

Damit beginnt häufig der anspruchsvollste Teil der Arbeit.

Ein auffälliger Sachverhalt muss zu seiner fachlichen und technischen Entstehung zurückverfolgt werden. Welche Quelldaten lagen zugrunde? Welche fachlichen Regeln wurden angewendet? Welche Transformationen haben stattgefunden? Und entspricht das resultierende Meldeergebnis der regulatorischen Anforderung?

Datenqualität im Meldewesen ist damit kein ausschließlich technisches Thema.

Sie entsteht im Zusammenspiel von regulatorischer Anforderung, fachlicher Interpretation, Daten, Prozessen und Applikationen. Für eine belastbare Ursachenanalyse müssen diese Perspektiven zusammengeführt werden.

Gerade an dieser Stelle zeigt sich die Bedeutung der Übersetzung zwischen Fachbereich und IT: Eine regulatorische Auffälligkeit muss so verstanden werden, dass ihre Ursache in den zugrunde liegenden Daten und Prozessen identifiziert werden kann. Umgekehrt müssen technische Sachverhalte wieder auf ihre fachliche Bedeutung zurückgeführt werden.

Von der Korrektur zum Verständnis

Das Ziel sollte deshalb nicht allein darin bestehen, einzelne Auffälligkeiten zu beseitigen.

Wer nur den beanstandeten Wert betrachtet, kann einen konkreten Sachverhalt korrigieren. Wer dagegen seine Entstehung versteht, gewinnt Erkenntnisse über die zugrunde liegenden Daten, Regeln und Prozesse.

Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen reiner Fehlerbehandlung und nachhaltiger Datenqualität.

Rückmeldungen liefern eine zusätzliche Perspektive auf die eigenen Meldedaten. Richtig eingeordnet, helfen sie nicht nur bei der Behandlung eines konkreten Sachverhalts. Sie können auch sichtbar machen, an welchen Stellen Daten, fachliche Interpretation oder Prozesse genauer betrachtet werden sollten.

Die Meldung ist damit nicht immer das Ende eines Meldeprozesses.

Manchmal ist sie der Ausgangspunkt für ein genaueres Verständnis der eigenen Daten und des fachlichen Wirkungsgrades der Lieferstrecke.